Rote Raben Vilsbiburg unterlagen Allianz MTV Stuttgart am 26.12.2020 in einem dramatischen Fünf-Satz-Krimi mit 2:3 (15:25, 27:25, 11:25, 25:20, 15:17) und holten überraschend einen Punkt gegen den Tabellenführer.
Spielanalyse
KI-ZusammenfassungFünf-Satz-Krimi am 2. Weihnachtstag: Rote Raben Vilsbiburg fordern Tabellenführer Stuttgart bis zur Grenze
Vilsbiburg – Es war eines der denkwürdigsten Spiele der Saison 2020/21 in der 1. Volleyball Bundesliga der Frauen: Am 2. Weihnachtsfeiertag lieferten die Roten Raben Vilsbiburg dem haushohen Favoriten und Tabellenführer Allianz MTV Stuttgart einen dramatischen Fünf-Satz-Kampf, der erst im Tiebreak seine Entscheidung fand. Am Ende stand eine 2:3-Niederlage (15:25, 27:25, 11:25, 25:20, 15:17) – doch der eine erkämpfte Punkt fühlte sich für den Underdog wie ein kleiner Sieg an.
Pre-Match: David gegen Goliath in der Ballsporthalle
Die Ausgangslage vor dem 12. Spieltag hätte klarer nicht sein können: Allianz MTV Stuttgart reiste als unangefochtener Tabellenführer nach Niederbayern. Das Team von Cheftrainer Giannis Athanasopoulos war mit einer beeindruckenden Bilanz in die Saison gestartet und galt als einer der Topfavoriten auf die deutsche Meisterschaft. Die Roten Raben hingegen befanden sich im Tabellenmittelfeld – ein Team, das mit jungen Talenten und erfahrenen Neuzugängen um die Playoff-Plätze kämpfte.
Die Gäste aus Stuttgart hatten zudem das Hinrundenspiel am 4. Oktober 2020 klar mit 3:0 für sich entschieden und gingen entsprechend selbstbewusst in die Partie. Die Live-Übertragung auf Sport1 unterstrich die Bedeutung dieser Begegnung am zweiten Weihnachtsfeiertag.
Die Aufstellung: Mutige Personalentscheidung von Coach Völker
Raben-Trainer Florian Völker überraschte mit einer mutigen Aufstellungsänderung: Dezember-Neuzugang Alexis Hart aus den USA feierte an der Diagonalposition ihr Debüt in der Starting Six – nachdem sie zuvor nur als Einwechselspielerin beim 1:3 gegen Dresden zum Einsatz gekommen war. An ihrer Seite begannen Lena Möllers als Zuspielerin, die Außenangreiferinnen Danielle Brisebois und Jodie Guilliams, Josepha Bock und Kayla Haneline im Mittelblock sowie Myrthe Schoot als Libera.
Der Spielverlauf: Eine Achterbahnfahrt der Gefühle
Satz 1 – Die Stuttgarter Machtdemonstration (15:25)
Der erste Satz geriet zur erwarteten Demonstration der Stuttgarter Stärke. Nach einer kurzen 2:1-Führung der Gastgeberinnen legte der Tabellenführer einen beeindruckenden Zahn zu. Über 4:8 zog Stuttgart auf 6:16 davon – ein kleiner Vorsprung, der zur puren Dominanz wurde. Vilsbiburg fand kein Mittel gegen den druckvollen Angriff der Gäste. Am Ende stand ein deutliches 15:25, und die Befürchtung wuchs, dass das Spiel eine einseitige Angelegenheit werden könnte.
Satz 2 – Die Wende (27:25)
Doch die Roten Raben schlugen zurück. Mit neuer Energie und angepasster Taktik – Corina Glaab übernahm das Zuspiel, Luisa Keller rückte auf die Diagonalposition – kämpften sich die Gastgeberinnen zurück ins Spiel. Von einem 4:8-Rückstand ließen sie sich nicht entmutigen. Ball für Ball arbeiteten sie sich heran, glichen zum 12:12 aus und lieferten sich fortan ein Duell auf Augenhöhe mit dem großen Favoriten.
Spektakuläre Ballwechsel prägten die Phase bis zum 15:15, 18:18 und schließlich 23:23. Die Raben wehrten zwei Stuttgarter Satzbälle ab, bevor Luisa Keller den ersten eigenen Satzball eiskalt zum 27:25 verwertete. Die Ballsporthalle tobte – der Satzausgleich war perfekt.
Satz 3 – Die Stuttgarter Antwort (11:25)
Der Tabellenführer reagierte gereizt auf den verlorenen zweiten Durchgang. Sichtlich entschlossen, die Kräfteverhältnisse sofort wiederherzustellen, kam Stuttgart mit voller Wucht aus der Satzpause. Vilsbiburg konnte das hohe Niveau des zweiten Satzes nicht konservieren. Stuttgart zog über 4:8 auf 8:16 davon und ließ den Raben keine Chance. Mit 11:25 ging der dritte Satz deutlich an die Gäste – die alte Ordnung schien wiederhergestellt.
Satz 4 – Die erneute Raben-Auferstehung (25:20)
Doch wer glaubte, Stuttgart würde nun planmäßig zum Favoritensieg einbiegen, sah sich getäuscht. Die Roten Raben zeigten eine beeindruckende moralische Stärke. Nach einem 2:6-Rückstand kämpften sie sich erneut heran – 12:12, und ab 18:18 spielten sie sich in einen wahren Rausch. Punkt für Punkt erarbeiteten sich die Gastgeberinnen einen komfortablen Vorsprung. Die komplett beeindruckende Aufholjagd mündete in ein verdientes 25:20 – der 2:2-Ausgleich war geschafft.
Tiebreak – Die Entscheidung auf Messers Schneide (15:17)
Der Tiebreak schrieb seine eigene dramatische Geschichte. Bei 7:4 schienen die weiterhin großartig auftrumpfenden Raben tatsächlich auf dem Weg zur großen Sensation. Die Überraschung lag in der Luft. Doch Stuttgart fand zurück ins Spiel und zog auf 9:13 davon – die Vorentscheidung schien gefallen.
Fast! Die Gastgeberinnen wollten das Unmögliche noch möglich machen und holten fünf Punkte in Serie. Beim Stand von 14:13 hatten die Roten Raben Matchball – nur ein einziger Punkt trennte sie vom Sieg gegen den Tabellenführer. Stuttgart wehrte den Matchball jedoch ab, glich aus und machte den nächsten Punkt zum 14:15. Vilsbiburg rettete sich erneut ins 15:15, doch dann war die Kraft aufgebraucht. Mit 15:17 entschied Stuttgart den Tiebreak und damit die Partie für sich.
Schlüsselspielerinnen: Rivers und Brisebois als herausragende Scorerinnen
Aufseiten der Roten Raben stach Danielle Brisebois mit beeindruckenden 23 Punkten als Top-Scorerin hervor. Die Kanadierin war in den entscheidenden Phasen stets zur Stelle und führte ihr Team mit konstant starken Angriffen. Libera Myrthe Schoot wurde zudem als MVP der Raben ausgezeichnet – ihre defensiven Qualitäten und ihre Ruhe am Feld waren ein zentraler Faktor für die starke Teamleistung.
Bei Stuttgart war einmal mehr US-Diagonalangreiferin Krystal Rivers der überragende Akteur. Mit 32 Punkten war sie nicht nur Top-Scorerin der Partie, sondern einmal mehr die unumstrittene Führungsspielerin ihres Teams. Rivers' Power im Angriff und ihre Fähigkeit, in kritischen Momenten Verantwortung zu übernehmen, machten den Unterschied. Als MVP der Gäste wurde María Segura Palleres ausgezeichnet.
Trainer-Stimme: „Stolz auf die Mädels“
Raben-Coach Florian Völker zeigte sich nach dem dramatischen Match emotional: „Das war ein emotionales Auf und Ab. Wir haben kämpferisch und emotional alles auf dem Feld gelassen, und wir haben dran geglaubt, dass wir was holen können. Ich bin schon stolz auf die Mädels. Und ab morgen freue ich mich auch über den Punkt!“
Post-Match: Ein Punkt mit Signalwirkung
Für die Tabelle bedeutete der eine Punkt aus diesem Fünf-Satz-Krimi für Vilsbiburg eine wichtige Erkenntnis: Die Mannschaft hatte bewiesen, dass sie auch gegen die absolute Spitze der Liga mithalten kann. Stuttgart bewahrte sich durch den knappen Sieg seine Tabellenführung und zeigte einmal mehr die Qualität, auch in schwierigen Phasen Spiele zu gewinnen. Dennoch hatte der Auftritt der Raben Signalwirkung für die weitere Saison.
Bereits eine Woche später, am 2. Januar 2021, stand für Vilsbiburg das nächste Auswärtsspiel beim VfB Suhl LOTTO Thüringen auf dem Programm.
Fazit
Dieses Match am 26. Dezember 2020 war mehr als nur ein weiterer Spieltag in der 1. Bundesliga. Es war eine Volleyball-Partie, die alles bot, was der Sport zu bieten hat: eine krasse Favoritenrolle, eine mutige Underdog-Leistung, spektakuläre Ballwechsel, eine dramatische Aufholjagd und eine Entscheidung, die buchstäblich am seidenen Faden hing. Die Roten Raben Vilsbiburg verließen an diesem 2. Weihnachtsfeiertag den Platz als moralische Sieger – auch wenn die Punkte nach Stuttgart gingen.
Rivalität seit 2009
Vilsbiburg W vs Stuttgart W Direkter Vergleich· 38
Vilsbiburg W und Stuttgart W trafen 38 Mal aufeinander — Vilsbiburg W gewann 11 Mal, Stuttgart W 27 Mal, dazu kamen 0 Unentschieden. Die Rivalität reicht bis 2009 zurück. Stuttgart W führt den Direktvergleich mit 27 Siegen aus 38 Begegnungen an. Insgesamt fielen 130 Tore in diesen Partien, im Schnitt 3.42 pro Spiel (42 für die Heimmannschaft, 88 für die Gäste). Beide Teams trafen in 14 Spielen (37%). In 38 Begegnungen (100%) fielen mehr als 2,5 Tore — ein torreiches Duell. Stuttgart W ist in den letzten 23 Aufeinandertreffen ungeschlagen. Das torreichste Spiel endete 3–2 im Jahr 2016.
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API-Daten: 11. Juni 2026